Gesundheitsmanagement in der Hundezucht: Entwurmung, Impfung und Zwingerhygiene
In der Zucht wird Gesundheit vor dem Auftreten eines Problems gewonnen. Ein strenges Gesundheitsprotokoll – Entwurmung, Impfung, Zwingerhygiene – kostet unendlich viel weniger als eine Parvovirose-Epidemie in einem Wurf. Hier sind die wichtigsten Grundsätze, die Sie mit Ihrem Bestandsbetreuungstierarzt abstimmen sollten.
Vorsorgen statt heilen
Welpen kommen mit einem unreifen Immunsystem zur Welt. Anfänglich durch mütterliche Antikörper über das Kolostrum geschützt, geraten sie in eine Phase der Anfälligkeit zwischen der 6. und 8. Lebenswoche, wenn dieser Schutz nachlässt. Die gesamte gesundheitliche Herausforderung in der Zucht besteht darin, diese Phase durch Prävention ohne Schäden zu überstehen.
Die Entwurmung: Mutterhündin und Welpen
Darmparasiten (Spulwürmer, Hakenwürmer etc.) werden von der Mutter auf die Welpen übertragen, auch über die Milch. Daher werden beide parallel behandelt. Ein häufig empfohlenes Schema:
Bei Welpen
- Erste Entwurmung ab der 2.–3. Lebenswoche;
- Danach alle 14 Tage bis zur Entwöhnung (ca. 2 Monate);
- Anschließend einmal monatlich bis zum Alter von 6 Monaten, danach 2- bis 4-mal jährlich im Erwachsenenalter.
Bei der Zuchthündin
- Vor dem Deckakt;
- Um den Zeitpunkt der Geburt herum;
- Gleichzeitig mit den Welpen während der Säugezeit, um den Reinfektionszyklus zu unterbrechen.
Eine Kotuntersuchung hilft dabei, die Häufigkeit und das Präparat an die tatsächliche Situation in der Zucht anzupassen.
Die Impfung: Der Grundimmunisierungsplan
Das Referenzschema (gemäß WSAVA) basiert auf mehreren Injektionen im Abstand von etwa einem Monat:
- ~8 Wochen: Grundimmunisierung gegen Parvovirose, Staupe und Hepatitis contagiosa canis;
- ~12 Wochen: Wiederholungsimpfung, häufig mit Zusatz von Leptospirose;
- ~16 Wochen: Wiederholungsimpfung (insbesondere Leptospirose);
- Danach eine Auffrischung zwischen 6 Monaten und 1 Jahr, anschließend Auffrischungen je nach Impfstoff (oft alle 3 Jahre bei den Kernkrankheiten, jährlich bei Leptospirose).
In Zuchten mit hohem Parvovirose-Risiko kann der Tierarzt bereits ab der 6. Woche beginnen. Eine Impfung gegen Zwingerhusten (intranasal) ist in Gruppenhaltung oft sinnvoll. Tollwut ist nur für Reisen ins Ausland oder bei bestimmten Hunderassen gesetzlich vorgeschrieben.
Zwingerhygiene: Das A und O
Die gefährlichsten Viren (allen voran das Parvovirus) sind in der Umwelt extrem widerstandsfähig. Eine Reinigung "nach Augenmaß" reicht nicht aus: Es bedarf eines Protokolls.
- Reinigen und dann desinfizieren: Organischer Schmutz neutralisiert Desinfektionsmittel, die Reihenfolge zählt;
- Ein geeignetes viruzides Desinfektionsmittel verwenden (das Parvovirus ist gegen viele gängige Produkte resistent);
- Einen Sanitär-Leerstand zwischen zwei Würfen im selben Bereich einhalten;
- Neuankömmlinge isolieren (Quarantäne) und Würfe voneinander trennen;
- Das Raumklima kontrollieren: stabile Temperatur, gute Belüftung ohne Zugluft, kontrollierte Luftfeuchtigkeit;
- Das "Vorwärts-Prinzip" anwenden: Die Jüngsten/Empfindlichsten zuerst versorgen, Händewaschen zwischen den Boxen.
Nachverfolgung: Das Gesundheitsregister
Jede Entwurmung, jede Impfung, jede Wiegung und jede Behandlung muss notiert werden. Dieses Register ist nicht nur eine administrative Pflicht: Es ist das Gedächtnis Ihrer Zucht, das Werkzeug, das Sie alarmiert, wenn ein Wurf schwächelt, und der Nachweis Ihrer Seriosität, den Sie dem Käufer aushändigen. Hinweis: Ab dem 1. Januar 2027 müssen Gesundheitsdaten an die I-CAD übermittelt werden – es ist ratsam, sich schon jetzt daran zu gewöhnen.
Die genauen Protokolle (Wirkstoffe, Dosierungen, exakter Kalender) liegen in der Verantwortung Ihres Bestandstierarztes, der sie an Ihre Zucht, Ihre Region und den Status Ihrer Tiere anpasst. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung.
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